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Hallo, ihr Lieben.

Es ist vollbracht. Ich habe meinen ersten Wandermarathon über 43 Kilometer geschafft! Und vermutlich wird dies auch mein letzter gewesen sein. Aber dazu später mehr.

Den Auftakt für die Veranstaltung lieferte um fünf Uhr in der Früh mein Wecker, der gnadenlos All Star von den Smash Mouth spielte und mit anhaltender Vibration mein Wachwerden erreichen wollte. Nun ist das, wie vielleicht der ein oder andere nachvollziehen kann, keine Uhrzeit zu der ich mich gerne aus meinem warmen, kuscheligen Bett heraus bewege. Erste Zweifel, ob ich die Herausforderung einen Wandermarathon zu machen wirklich annehmen sollte, überkamen mich. Aber dann überwog doch die Spannung und Vorfreude und so saß ich eine Stunde später mit vielen, ebenso verschlafen drein blickenden Menschen im Bus, der uns zum Start nach Johanniskreuz brachte.
Die Variante in Fischbach, und damit im Ziel des Marathons, mein Auto zu parken und morgens den Transfer nach Johanniskreuz zu nehmen, hatte ich mit Absicht gewählt. Es erschien mir sinnvoll, denn ich wollte am Ende des Marathons nicht unter Zeitdruck geraten den letzten Bus zurück erreichen zu müssen, falls ich doch etwas länger brauchen würde. Welch weise Entscheidung.

Nach gut einer weiteren Stunde Fahrt stieg ich in Johanniskreuz aus, holte meine Startnummer ab und stürzte mich ins Vergnügen. Ein gemeinsamer Start aller Teilnehmer war für den Marathon nicht vorgesehen und somit auch keine Zeitnahme. Dies empfand ich als sehr angenehm. Nicht die Leistung innerhalb einer bestimmten Zeit im Ziel anzukommen stand im Vordergrund sondern, dass die Herausforderung überhaupt die Strecke bewältigen zu können.
Auf dem ersten Streckenabschnitt musste ich jedoch feststellen, dass ich mit dieser Auffassung ziemlich alleine unterwegs war. Trotz eines von mir als flotten Schrittes empfundenen Tempos, wurde ich links wie rechts von Massen an Teilnehmern überholt. Zum Teil waren es große Gruppen mit bis zu zehn Leuten, die schnatternd an mir vorbeiflogen. Oder Pärchen, die in stiller Eintracht ihres Weges zogen. Und auch viele, die wie ich alleine unterwegs waren, aber irgendwie ziemlich verkrampft wirkten. Männer, Frauen und Hunde, den Blick stur geradeaus gerichtet, als ob es auf dem Weg etwas Wichtiges zu erblicken gäbe, das nicht verpasst werden durfte.

Ob sie sahen wie die Sonne ihre ersten Strahlen durch das wunderbar rot und gelb gefärbte Blattwerk der Bäume schickte und damit die Morgendämmerung vertrieb? Oder wie der Nebel langsam aus den Wiesen emporstieg und einen herrlichen Tag ankündigte? Keine Ahnung. Ich jedenfalls fand dies phantastisch.

Als weniger phantastisch stellte sich die Wahl meiner Schuhe heraus. Die harte Sohle meiner Wanderstiefel war für die doch recht flachen Waldböden nur bedingt geeignet, so dass mir bereits nach zehn Kilometern die Fußsohlen schmerzten. Bereits am ersten Zwischenstopp in Leimen überlegte ich die Wanderschuhe gegen meine, in weiser Voraussicht eingepackten Joggingschuhe zu wechseln. Ließ es aber dann aber doch erstmal bleiben. Weitere dreiunddreißig Kilometer in Joggingschuhen erschienen mir irgendwie auch nicht sinnvoll, falls doch noch glitschige Steigungen oder unwegsameres Geländer kommen würden. Nach kurzer Rast von zehn Minuten machte ich mich wieder auf den Weg.

Die nächste Etappe führte auf tollen kleinen Pfaden, die teilweise richtig im Dickicht lagen, nach Hinterweidenthal. Mal ging es berghoch, mal bergrunter und ein strahlend blauer Himmel über dem herbstlichen Pfälzer Wald lieferte eine wunderschöne Kulisse. Das Tempo meiner Mitwanderer hatte sich im Großen und Ganzen wenig gezügelt. Mein eigenes passte sich den immer mehr schmerzenden Füßen an. Und ich stellte mir zum ersten Mal die Frage, ob ich das Ganze zu Ende führen wollte.

Und dann, Halbzeit. Dreiundzwanzig Kilometer lagen hinter mir, weitere zwanzig noch vor mir. Das war der Moment für den aufgeschobenen Schuhwechsel und zum Auffüllen der Energiereserven.

Warum macht man eigentlich bei einem Wandermarathon mit? Ist es allein die Herausforderung diese enorme Strecke von dreiundvierzig Kilometern an einem Stück zu Fuß bewältigen zu können? Den Körper an seine Grenzen zu führen, Schmerzen ertragen zu können und trotzdem weiter zu gehen? Die Natur und den Tag zu genießen ist es auf jeden Fall nicht, denn davon bekommt man irgendwann nichts mehr mit.

Nachdem meine Füße aufgrund der neuen Schuhe entlastet waren, fing der Rest meiner Beine an zu rebellieren. Waden, Knie, Oberschenkel, Gelenke, Schienbeine. Einfach alles was so da ist, war irgendwann nur noch ein einziger großer Schmerz.
Sollte so eine Veranstaltung nicht eigentlich Spaß machen? Berichten von Marathonläufern mit Beschreibungen über ihren Zustand bei einem Lauf hatte ich bisher nie große Beachtung geschenkt. Doch nun konnte ich dies am eigenen Leib nachvollziehen. Und dabei war ich nicht mal laufend sondern „nur“ wandern unterwegs.

Um es kurz zu machen. Der Rest der Strecke war nicht wirklich schön. Zur dritten und letzten Zwischenstation an der Pfälzerwaldhütte bei Dahn habe ich mich schon ziemlich gequält und das Ziel heiß und innig herbei gesehnt. Jedoch war dieser Teil des Weges noch nichts gegen die letzten verdammten sieben Kilometer. Diese waren nur mit reiner Willenskraft zu überwinden und weil ich, warum auch immer, diesen verdammten Marathon nicht abbrechen wollte. Die Frage warum nicht, konnte ich mir nicht beantworten. Also habe ich mich ins Ziel gekämpft. Zeitlich ein wenig nach der großen Masse, kurz vorm Dunkelwerden erreichte ich das Biossphärenhaus in Fischbach und holte mir den verfluchten vierten und letzten Stempel für meinen Teilnehmerpass.

Und dann direkt ins Auto, direkt nach Hause und, mit einem kleinen Umweg über eine heiße Badewanne, direkt ins Bett. Glücksgefühle über die geschaffte Leitung? Fehlanzeige. Bei mir kamen keine auf.

Mein Fazit:
Es war eine interessante Erfahrung. Ob ich diese unbedingt hätte machen müssen, lasse ich dahin gestellt. Ich bin nun mal eher ein Genussmensch. Ich bleibe beim Wandern gerne mal stehen, genieße die Aussicht, schaue mir Pflanzen an, höre Vögeln zu oder lausche dem Wind und lasse mir die Sonne auf die Nase scheinen. Bei einem Wandermarathon ist dies nun mal nicht möglich. Die Strecke muss bewältigt werden und da führt nichts dran vorbei. Nichts desto trotz einen Dank an die Veranstalter des Wandermarathons Pfälzer Wald für die gute Organisation und Durchführung.
In Zukunft werde ich die Teilnahme an einem Wandermarathon jedoch wieder anderen überlassen und ich bleibe bei meiner Art des Wanderns.

Gerne auch mit euch!

 

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