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Von der Wiederfindung und der Stille

Die verlassenen Dörfer der Haute Provence
Stille, Einsamkeit und tierische Begegnungen...

Retrouvance ® ist ein Projekt der französischen Forstverwaltung ONF und steht für nachhaltigen Ökotourismus. Übersetzt heißt es so viel wie Wiederfindung. Die Wiederfindung vergessener Orte, der Natur oder einfach von sich selbst... Als erstes Projekt wurde damals, vor über 20 Jahren, die Tour in der Haute Provence mit Wanderungen von Hütte zu Hütte ins Leben gerufen.

Und auch mich zog es nicht zum ersten Mal zu den verlassenen Dörfern der Haute Provence. Es ist jedes Mal ein bisschen wie nach Hause zu kommen. Allerdings auch immer mit ein wenig Ungewissheit gepaart, was einen letztlich erwartet. Wie gravierend sind die Spuren des letzten Winters? Was hat sich alles verändert? Treffe ich alte Freunde wieder? Herrscht in den Hütten, und auf den Bergen, immer noch diese besondere Stimmung?

Ich kann euch sagen, es wurde keine Enttäuschung. Schon auf der ersten Wanderung von Veynes nach Agnielles erwartete uns eine bemerkenswerte Begrüßung.

Ein gelungener Auftakt

Auf halber Strecke lagen zwischen den Bäumen zwei große, weiße Hunde. Dies ist jetzt nicht wirklich etwas Besonderes hier in der Region. Es gibt durchaus viele Schafherden, die von Hütehunden bewacht werden. Doch sollte man bei Begegnungen mit ihnen generell Vorsicht walten lassen. Die Aufgabe von Hütehunden besteht schließlich darin, ihre Herde vor Fremden zu beschützen. Doch diese zwei Exemplare hatten keine Herde...

Anscheinend hatte sie gerade ihren freien Tag und entsprechend etwas Langeweile. Als sie uns sahen, witterten sie sofort ihre Chance und das seltsame Schauspiel begann. Einer kam zu uns auf den Weg und lief langsam vor uns her. Der andere ließ uns erst vorbei gehen, und trabte dann mit etwas Abstand hinter uns. So ging das einige Kilometer lang. Der Hund vorne blickte immer wieder zurück, ob wir auch brav folgen. Und der Hintere passte auf, dass keiner verloren ging. Sie hatten in uns ihre neue Herde gefunden. Anscheinend ahnten sie sogar wo wir hin wollten. An Abzweigen wählte der vordere Hütehund immer den richtigen Weg aus. Ein wenig spooky war das Ganze schon. So ging es fast bis zu unserer ersten Hütte. Irgendwann fanden sie wohl, dass wir den Weg jetzt auch ohne Begleitschutz schaffen würden.

Echt der Wahnsinn. In dieser extremen Form ist mir das bisher noch nicht begegnet. Es gibt immer mal wieder Hunde, die einen, ein Stück des Weges begleiten, und dann wieder ihre eigenen Wege gehen. Aber derart behütet zu werden, war neu, für uns alle. Also wirklich ein wunderbarer Auftakt in eine sehr erlebnisreiche Woche.

Tierische Begegnungen

Und mit vielen tierische Begegnungen ging es auch weiter. In schwindelerregenden Höhen entdeckten wir mehrere Steinadler mit spektakulären Flugeinlagen. Sonnenbadende Schlangen flüchteten vor uns, und neugierig wurden wir von Murmeltieren beäugt. Nicht zu vergessen die Millionen von Ameisen, die sich immer wieder gerne an unserem Picknick beteiligten...

Am beeindruckendsten waren ohne Zweifel die Mufflons. Die Herde kannte ich bereits von meiner letzten Reise. Im Kessel von Chaudun waren vor 2 Jahren schon an die 40 Tiere zu beobachten. Doch dieses Jahr war die Herde der Wildschafe noch viel größer. Bestimmt über 100 Mufflons mit jeder Menge Nachwuchs, und auf 2 Herden verteilt. Es scheint ihnen hier sehr gut zugehen. Und dass so wenige Menschen unterwegs sind, ist bestimmt kein Nachteil...

Genießen ohne Ende

Die Stille und Abgeschiedenheit der Gegend war aber auch für uns wunderbar. Auf den Wanderungen konnten wir die Natur intensiv erleben. Wir gingen durch flechtenüberzogene Märchenwälder und vorbei an blühenden Wiesen. Genossen den Ausblick über die Berge und das eiskalte Wasser, wenn uns der Weg direkt durch rauschende Bergbäche führte.

Um dann erschöpft, aber gut gelaunt nachmittags an den Hütten anzukommen und in Ruhe die Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Herrlich! Wer mochte vertrieb sich die Zeit noch bei einem Boulespiel oder las entspannt in einem Buch.

Allzu viel Freizeit blieb aber gar nicht. Das Abendessen wartete, um uns mit regionalem Essen von Auberges aus der Umgebung zu verwöhnen. Frischer Salat, leckerer Eintopf oder die ach so köstlichen Tourtons. Das sind kleine Teigtaschen mit allerlei Füllung. Es gibt sie gekocht, gebacken oder frittiert. In einer süßen oder einer deftigen Variante. Und immer sind sie äußerst lecker. Als Abschluss dann noch Käse aus der Region, und natürlich einen Kuchen. Mal mit Äpfeln, mal mit Nüssen oder ganz vorzüglich mit Beeren. Ihr seht schon, uns ging es richtig gut.

Die Zeit verflog im Nu...

Viel zu schnell ging die Woche in der Haute Provence mit ihren tollen Wanderungen wieder vorbei. Es war eine wundervolle und sehr intensive Zeit. Abgeschieden von jeglicher Hektik und nah an der Natur. Dies schenkte uns viele Begegnungen der besonderen Art... Und immer wieder die Erkenntnis, wie wenig man braucht um zufrieden und glücklich zu sein.

Wer diese Erfahrung einmal selbst erleben will, und eine gewisse Einfachheit nicht scheut oder sie vielleicht sogar sucht, dem kann ich die Reise nur sehr ans Herz legen.

Schade, dass ich den kulinarischen Aspekt nicht mit Bildern belegen kann. Aber hierzu war das Essen immer viel zu schnell verputzt. Und wer mag schon die Zeit auf Bildermachen verschwenden, wenn einem dieser herrliche Duft in die Nase steigt... 😉

 

In diesem Sinne, genießt den Tag!

Die Reise ist leider bei Wikinger Reisen ab 2019 nicht mehr im Programm.
Wenn ihr Interesse an dieser tollen Tour habt, meldet euch gerne bei mir. Bei ausreichend Anfragen biete ich gerne eine entsprechende Wanderung an.

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